Kühlwesten und andere Hilfen bei Hitze
Jedes Jahr wird der Sommer heißer und jedes Jahr machen wir uns auch mehr Gedanken darum, wie wir unsere Hunde schützen können. Die Diskussionen um Schonen oder nicht, wie viel, was und wie lange ein Hund bei welchen Temperaturen spazieren gehen oder arbeiten darf, nehmen ebenfalls deutlich zu.
Dass wir etwas tun müssen, hat mein erster Temperaturtest gezeigt. Der Spaziergang bei 27 °C über ca. 80 Minuten hat die Körpertemperatur von anfangs 38,1 °C um 1,7 °C auf 39,8 °C am Ende erhöht. Ab 38,5 °C spricht man von Fieber! Der Hund war also überhitzt und musste aktiv heruntergekühlt werden.
Wir haben uns auf die Suche gemacht und überlegt, welche Hilfsmittel für uns infrage kommen. Meine Erkenntnisse teile ich hier mit dir:
1. Kühlmatte von Kerbl
Funktionsweise
Klingt absolut sinnvoll, weil das enthaltene Gel durch Druck und Körpertemperatur die Wärme aufnimmt und damit den Körper kühlt. Angeblich gibt es diese Wärme an die Umgebung ab. Bei Temperaturen bis 25 oder 26 °C funktioniert das auch ganz gut. Meist ist die Matte dennoch nach einiger Zeit zu warm und der Hund verlässt sie. Dann braucht die Matte 15 bis 30 Minuten, um nachzukühlen, und kann anschließend wieder benutzt werden.
Gefährlichkeit
Die meisten Gelmatten sind ungiftig. Das Gel besteht aus Carboxymethylcellulose und Wasser. Aufpassen muss man bei minderwertigen Produkten ohne Aufschrift und möglicherweise bei älteren Produkten, die noch mit Ethylenglykol beziehungsweise Frostschutzmittel gefüllt wurden. Dieses ist hochgiftig für Hunde, sollte aber bei den meisten seriösen Anbietern nicht mehr verwendet werden.
Empfehlung
Meine eigenen Hunde haben Kühlmatten nie benutzt, auch wenn sie sich sonst auf kalte Fliesen gelegt haben. Viele Kundenhunde nutzen die Matten aber sehr gern. Insofern muss man es einfach ausprobieren und den Hunden die Möglichkeit anbieten.
2. Nasses Handtuch
Funktionsweise
Der Gedanke war, dass die Nässe des Handtuchs in das Hundefell übergeht und dadurch den Hund kühlen könnte. Bei einer Flasche Wasser am Strand funktioniert es auch. Bei unseren Hunden jedoch nicht. Es befeuchtet ein wenig das Deckhaar und verhindert ansonsten den Luftaustausch. Unter dem Handtuch wird es innerhalb weniger Minuten warm.
Gefährlichkeit
Dadurch können nasse Handtücher durchaus gefährlich sein. Sie stauen die Hitze – vermutlich aufgrund der Eigenschaften der Baumwolle, aus der die meisten Handtücher bestehen.
Empfehlung
Nur verwenden, um das enthaltene Wasser über dem Hund auszuwringen! Ansonsten lieber nicht.
3. Kühlweste CoolDown von Actionfactory
Funktionsweise
In diesem Jahr bin ich auf die Kühlwesten CoolDown gestoßen und fand die Idee großartig. Ein großes Silbernetz haben wir für unseren Camper und es hat mich sehr überzeugt. Aus demselben Material besteht die Weste. Es reflektiert die eintreffenden Sonnenstrahlen inklusive UV-Licht wie ein Spiegel. Alles, was darunter ist, bleibt also kühler. Sie kühlt jedoch nicht aktiv! Für den Hund schien mir das ebenfalls eine sehr gute Idee.
Gefährlichkeit
Die Weste ist extrem dünn und leicht. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Hitzestau unter ihr entsteht. Wenn die Temperaturen aber weiterhin über 35 °C liegen, sollte man das dennoch im Auge behalten.
Empfehlung
Ich empfehle diese Weste unbedingt für Spaziergänge mit direkter Sonneneinstrahlung. Vor allem für ältere Hunde und Hunde mit Arthrosen ist sie wohl die bessere Wahl. Bei extremen Temperaturen sollte man dennoch lieber auf Spaziergänge verzichten. Da die Weste nicht kühlt, sondern nur noch Schlimmeres verhindert, hängt es von der Ausgangslage ab, ob sie hilfreich ist oder nicht.
4. Kühlweste von Prestigepets
Hier geht es zur Kühlweste CoolDog
Funktionsweise
Diese Kühlweste kühlt aktiv durch Feuchtigkeit. Ich habe leider keine Ahnung, aus welchem Stoff sie genau besteht. Im Gegensatz zu Baumwolle entsteht unter diesem Stoff jedoch keine Hitze. Die Weste ist im trockenen Zustand hart wie ein Brett und wird in Wasser eingeweicht. Auf dem Hund verhindert sie weitere Temperaturanstiege und kühlt aktiv.
Gefährlichkeit
Ist es sehr warm, musst du darauf achten, sie regelmäßig neu zu befeuchten. Man sieht jedoch an der sich ändernden Farbe durch die Trockenheit, wann es so weit ist. Da der Hund die Weste nicht selbst ausziehen kann, musst du auch hier darauf achten, ob er sich damit wohlfühlt oder ob die Feuchtigkeit seinen Gelenken eventuell schadet.
Empfehlung
Für unsere Hunde ist sie die beste Wahl: für den Spaziergang, vor allem aber für Arbeitseinsätze bei hohen Temperaturen. Auch bei 38 °C konnten meine Hunde mit deutlich reduziertem Hecheln sauber suchen.
Bei unserem Temperaturtest mit der Weste ist der Hund bei 29 °C Außentemperatur zum Spaziergang gestartet. Die Starttemperatur betrug 37,9 °C. Nach reichlich 60 Minuten mit Weste inklusive Sucharbeit auf der Fläche kamen wir mit 38,9 °C wieder beim Auto an. Das ist ein Anstieg von 1 °C, der angesichts der ausgeübten Tätigkeiten absolut verträglich ist und uns von der Weste überzeugt hat.
Temperaturvergleich
Hier der Vergleich der Temperaturen mit und ohne Weste:
| Kühlweste | Außentemperatur | Körpertemperatur zu Beginn | Dauer des Spaziergangs | Körpertemperatur am Ende | Differenz |
|---|---|---|---|---|---|
| Ohne Weste | 27 °C | 38,1 °C | ca. 80 Minuten | 39,8 °C | 1,7 °C |
| Mit Weste | 29 °C | 37,9 °C | ca. 60 Minuten | 38,9 °C | 1 °C |
Was für deinen Hund am besten ist, musst du natürlich selbst herausfinden. Aber mit diesen Infos geht es vielleicht einfacher. Die Hilfsmittel, die wir für sinnvoll halten, gibt es natürlich auch im Shop zu kaufen. Wenn du noch eine andere tolle Hilfe gefunden hast, sag mir gern Bescheid.
Wir wünschen euch einen schönen, nicht zu kalten und nicht zu heißen Sommer mit den richtigen Hilfsmitteln, wenn nötig.
